007 IstanbulBericht 19 Türkei West

Kilometer 58700 – 62900
Fahrstunden 988 – 1058
Reisewoche 79 – 83
12.03.2022 – 18.04.2022
4200 Kilometer gefahren in 70 Fahrstunden auf 38 Tage

001 Ankunft in der Tuerkei002 Landeanflug auf IstanbulWir befinden uns im Landeanflug auf Istanbul. Mit drei Stunden Verspätung. In Kairo, wo wir zwischengelandet sind, konnte das Flugzeug nicht Starten mit der Begründung in Istanbul hätte man Probleme mit Schnee. Wir haben das mit dem schnellen Gedanken abgetan, es sei die Ausrede der Ägypter, ihren eigenen Verzug im Flugplan zu kaschieren. Das würde auf jeden Fall zu ihnen passen. Aber als wir jetzt aus dem kleinen Flugzeug Fenster schauen, trauen wir unseren Augen nicht! Wir haben kaum die südliche Mittelmeerküste der Türkei erreicht, da sind die Wiesen und Hügel mit einer weißen Schicht überzogen! Es hat hier tatsächlich geschneit! Je weiter wir über das Landesinnere fliegen und Richtung Istanbul kommen, desto dicker wird die Schneedecke über der Landschaft. Ganz Istanbul ist weiß! Dass es kälter wird als in Südafrika, damit haben wir gerechnet, aber mit Schnee und Temperaturen um den Gefrierpunkt…?

Die Landefläche ist gerade so frei geräumt, dass unser Flugzeug landen kann. Beim Aufsetzen der Räder ist ein ganz leichtes Rutschen zu spüren, aber der Pilot bringt uns schließlich sicher bis zum Gate. Wir sind wieder in Europa. Nach anderthalb Jahren ist das ein seltsames Gefühl. An dem nagelneuen Flughafen geht alles schnell und strukturiert von statten. Bei der Passkontrolle werden wir weder gefragt woher wir kommen, wohin wir wollen, wie lange wir bleiben oder ob wir einen PCR Test haben. Stempel in den Pass, „Nächster!“ Unser Gepäck haben wir ebenfalls schnell auf einen Rollwagen geladen. Natürlich werden wir kurz vor dem Ausgang von einem Zoll Beamten angehalten. Wir sehen in unseren Motorrad Klamotten mit den Helmen und den großen unförmigen Taschen halt doch etwas außerirdisch aus. Auf die Frage was in unseren Taschen sei, sage ich etwas teilnahmslos und müde „Zelt, Schlafsack, Kleidung…“. Josh murmelt hinter mir „Zahnbürste…“. Der Beamte überlegt kurz, hebt die Augenbrauen und lässt uns schließlich gehen. Unser Glück. Warum da so viele große und kleine Motorradteile, Batterien, Drohne und Medikamente im Koffer sind, hätte ich ihm jetzt nicht lang und breit erklären wollen. Der eisige Wind peitscht uns hart und unerwartet ins Gesicht, als wir aus dem Flughafen Gebäude ins Freie treten. So kalte Temperaturen hatten wir seit zwei Jahren nicht mehr. Unser Mietwagen wartet Gott sei Dank im die Ecke. Schnell verladen wir all unser Gepäck und stellen die Heizung auf Max. Für die erste Zeit haben wir eine Air BnB Wohnung 15 Kilometer entfernt vom Flughafen gebucht. Auf dem Weg dahin fühle ich mich wie im Weihnachstraum. Es hat wieder angefangen zu schneien, es wird langsam Dunkel und wir wissen beide nicht wirklich etwas mit diesem Winter Wetter anzufangen. Das Auto hat keine Winterreifen. Wir tuckern also langsam den neuen Erlebnissen entgegen.

003 Karaburun005 KaraburunIn Karaburun werden wir von Mustafa schon erwartet. Er hat sich schon Sorgen gemacht, dass wir mit dem Schnee Probleme bekommen könnten. Grinsend teilt er uns mit seiner Übersetzer App mit, wir hätten es geschafft, am kältesten Tag seit 30 Jahren anzukommen. Englisch spricht Mustafa nicht, wir sprechen kein türkisch. Aber dank der Technik und den digitalen Übersetzungsmöglichkeiten können wir uns ganz gut verständigen. Wir wohnen in der Wohnung im Erdgeschoss, Mustafa im dritten Stock unterm Dach. Er ist Rentner, aber hat Spaß daran, die beiden anderen Wohnungen des Hauses an Reisende zu vermieten und diesen auch bei allen Eventualitäten zu helfen. Mit der Hilfe seines Sohnes Koray nutzt er Airbnb und lässt seiner Gastfreundschaft freien Lauf. Er lädt uns zur Begrüßung zum Tee ein. An seinem warmen Wohnzimmer Ofen können wir uns aufwärmen. Wir fühlen uns vom ersten Moment an willkommen und geborgen.

 

018 bei Izmir016 neue Bruecke ueber den Bosporus bei IzmirUnsere Motorräder sind noch in Johannesburg. Eigentlich war geplant, dass sie einen Tag später als wir nach Istanbul fliegen, aber wegen des Schnee Chaos wird der Abflug immer wieder verschoben. Wir nutzen die Zeit, um mit unserem Mietwagen einige Dinge abzuholen, die Freunde aus Deutschland für uns mit in die Türkei gebracht haben. Unser Equipment ist nach anderthalb Jahren auf der Straße sehr mitgenommen und auch die Motorräder brauchen eine Generalüberholung. Neue Motorradkombis, Helme, Handschuhe, Motorradstiefel und Funktionsunterwäsche sowie einige Verschleißteile und neue Motorradtaschen finden so den Weg zu uns. Unser Freund Constantin studiert seit kurzem in Ankara und hat einen Teil der Sachen in seinem Gepäck für uns mitgenommen. Consti übergibt uns die Sachen bei einem gemütlichen Abendessen nahe seiner Universität in Ankara. Am nächsten Tag geht es weiter nach Izmir, wo wir bei Birgül, der Mutter von Joshuas Kumpel Bariş aus Bad Hersfeld Motorradteile abholen. Birgül hat in Izmir eine Wohnung und fliegt regelmäßig hier runter, um die Sonne in ihrem ursprünglichen Heimatland zu genießen. Sie versorgt uns neben den Teilen auch mit einem ausufernden Frühstück, eines der besten der ganzen Reise. Birgül hat uns die Ersatzteile mitgebracht und ihre Tochter Tuce einen kompletten Koffer mit unseren neuen Taschen. Izmir ist ein schönes Städtchen, die Gastfreundschaft ist groß hier, aber wir müssen zurück nach Istanbul, wo wir schließlich Bariş persönlich treffen, der gerade dort mit einem Freund angekommen ist. Beide haben uns den letzten Teil unseres Reisematerials mitgebracht. Ein großer Dank an die Familie Cokgenc, ohne die dieser Transport so nicht möglich gewesen wäre, und an Joshuas Bruder, der mal wieder mit einer Hochleistung in Logistik geglänzt hat.

 

013 Mustafa011 Zusammenbauen der BikesMit voll bepacktem Auto kommen wir zurück nach Karaburun. Wir waren nur drei Tage unterwegs, aber ich habe das kleine Örtchen an der Schwarzmeerküste vermisst. Karaburun ist ungefähr so groß wie unser Heimatdorf und hat mit dem Blick aufs Meer seinen ganz eigenen Charme. Großstädte sind einfach nichts für mich. Dazu kommen die ganzen neuen Eindrücke hier in der Türkei. Das Land ist, zumindest hier im Westen, sehr gut entwickelt und hat europäische Standards. Die Städte pulsieren nur so vor Leben, alles ist im Überfluss vorhanden, der Alltag ist schnelllebig. Die Kälte und der Schnee ziehen wirbelnd um uns herum und lassen unsere, von der Wärme Afrikas verwöhnten Körper, frösteln. Das macht den Kulturschock komplett. Das muss man erst einmal alles verarbeiten. In Karaburun können wir wieder etwas durchatmen. Mustafa wartet schon auf uns. Er ist ganz neugierig auf die Motorräder und fiebert jeden Tag mit uns, wann sie endlich ankommen. Wir können sie bei ihm im Hof wieder zusammenbauen. Schließlich ist es soweit, das Wetter wird besser, die Flugzeuge können wieder in gewohntem Maß starten und landen und mit über einer Woche Verspätung erreichen unsere beiden Bikes endlich den Flughafen Istanbuls. Nachdem sie in der Nacht gelandet sind, holen wir sie gleich am nächsten Tag aus dem Flughafenzoll. Nach unseren Erfahrungen in Ägypten ist uns vorher natürlich etwas mulmig zumute. Ganz einfach gestaltet sich der Prozess auch nicht, wir müssen ständig zwischen den Gebäuden des Frachtzentrums und des Zolls hin und her, müssen jede Menge Papierkram ausfüllen und uns mit Händen und Füßen und Übersetzungsapp verständigen, weil einfach niemand Englisch spricht. Zwischenzeitlich gehen all unsere Dokumente verloren, denn der unfreundliche Zoll Beamte hat sie nach seiner Begutachtung einfach mitgenommen! Während er ein unverständliches „Come!“ Murmelt und mit den Dokumenten in sein Büro läuft, müssen wir erst noch am Sicherheitscheck vorbei und verlieren ihn so aus den Augen. Wir brauchen eine Stunde und die Hilfe viele anderer Mitarbeiter, um ihn und unsere Dokumente endlich wieder zu finden. Wir haben schließlich fast alle Unterlagen, Unterschriften und Stempel zusammen und stehen zum dritten Mal bei der Warenausgabe. Irgendetwas scheint aber immer noch zu fehlen. Ein Mitarbeiter der Frachtlogistik, der uns schon beim wiederfinden unserer Dokumente geholfen hat, nimmt sich uns an und geht mit uns die letzten Schritte zum Beenden des ganzen Prozesses.

010 Zusammenbauen der Bikes010 Zusammenbauen der BikesEr spricht etwas Englisch und kann übersetzen, mit seiner Hilfe geht alles wesentlich schneller. Wir müssen nochmal zum Zoll, weitere Stempel sammeln und nochmal zur Kasse, um Lagerungsgebühren zu zahlen. Eigentlich dachten wir, die ersten zwei Tage wären frei. In Istanbul ist das aber nicht so und die Gebühren sind ziemlich hoch. Unser Freund schlägt am Ende aber sogar noch einen Spezialpreis raus, indem er dem Kassierer verklickert wir wären seine Cousins. Wir kommen schließlich insgesamt mit ca. 120€ alles in allem davon. Am späten Nachmittag fährt der Gabelstapler endlich unsere Mopeds zur Verladerampe. Josh hat in der Zwischenzeit einen Transporter Fahrer gefunden, der für einen anderen Kunden am Flughafen wartet und nur ein paar Farbeimer einladen muss. Er hat also noch genügend Platz für unsere Motorrad-Box und hilft uns gegen ein kleines Trinkgeld gerne aus. Der Gabelstapler platziert die Box passend im Kleintransporter und auf geht's nach Karaburun. Abends um sieben kommen wir endlich an und laden zusammen mit Mustafa die 270 Kg Box aus – ein Kraftakt mit nur drei Männern. Kurzerhand wird der spazieren gehende Nachbar animiert mit anzupacken. Mustafa deckt die Box für die Nacht liebevoll mit einer Plane ab. Er freut sich schon, Josh die nächsten Tage beim Zusammenbauen zu helfen. Für drei Tage werkeln die beiden dann auch im Hof unterm Carport und verstehen sich trotz der Sprachbarriere blendend. Wo Josh Schrauben fallen lässt, hebt Mustafa sie auf und sortiert sie nach Größe in eine Kiste, wo Josh Späne oder sonstiges liegen lässt, ist er mit dem Besen zur Stelle. Zwischendurch kommen sie immer mal herein, um sich die steif gefrorenen Finger an warmem Tee zu wärmen. Bei Temperaturen unter zehn Grad lässt es sich nicht so schön Schrauben. Nach drei Tagen stehen unsere Bikes schließlich fahrbereit im Hof und sehen fast aus wie neu. Neue Ketten, neue Bremsen, neues Öl, neue Reifen, neue Kupplungszüge – das Abenteuer kann weiter gehen, die Straße ruft. Wir verabschieden uns von Karaburun und Mustafa, der traurig ist, dass wir fahren. Im Sommer müssen wir auf jeden Fall nochmal zurückkommen, meint er beim Abschiedstee.

023 Ephesus024 Ephesus025 EphesusWir freuen uns, endlich wieder unterwegs zu sein! Das neue Material macht sich gut. Die Mopeds laufen hervorragend und die neue Kombi ist gerade bei der Kälte sehr angenehm. Weitere Informationen zum neuen Material folgt bald in einem detaillierten Technikbericht auf unserer Internetseite in der Rubrik „Technik“. Es ist immer noch einstellig aber Wenigstens hat es aufgehört zu schneien und die Sonne scheint. Guten Mutes fahren wir nach Südwesten. Unser Weg führt uns an Troja vorbei, wo wir uns wieder einmal der römischen/griechischen Kultur widmen – das letzte Mal war das in Tunesien der Fall. Auch die Teilweise ausgegrabene und schön restaurierte Stadt Ephesus schauen wir uns an und sind erstaunt wie gut viele Ruinen noch erhalten sind. Und wie groß die Stadt einmal gewesen sein muss! Über eine Stunde laufen wir durch die ehemaligen Straßen. Beeindruckend.

014 Wieder auf der Strasse019 Baris020 BarisImmer der Küste entlang treibt es uns erneut nach Izmir. Wir besuchen noch einmal Birgül und Bariş, der mittlerweile in Izmir bei seiner Mutter zu Besuch ist. Er nimmt uns mit in das Dorf, in dem ein großer Teil seiner Familie bis heute wohnt, zeigt uns das beste Restaurant, die Moschee, stellt uns seinem Onkel vor und fährt mit uns auf den Hügel mit dem besten Blick. Wir genießen diesen Tag sehr, denn wir bekommen das erste Mal einen etwas tieferen Einblick in die türkische Kultur mit unserem quasi lokalen Führer. Das Landleben ist viel ursprünglicher als das Leben in den fortschrittlichen Städten. Wir müssen in Izmir diesmal etwas länger bleiben, denn wir müssen hier noch einmal zum Zoll. Am Flughafen hat man unseren Motorrädern lediglich acht Tage Aufenthaltsrecht in der Türkei gegeben. Das reicht natürlich nicht. Sie konnten uns auch nicht so wirklich erklären wieso unsere Motorräder nach so kurzer Zeit wieder Ausreisen sollen aber das Computerprogramm des Zolls konnte nicht mehr als acht Tage genehmigen. Wir hatten auch das Gefühl es hatte keiner wirklich Lust sich damit eingehender zu beschäftigen. Man sagte uns aber, wir könnten das bei jeder beliebigen Zollstelle im Land verlängern. So stehen wir also im Zoll Büro von Izmir mit dem fast abgelaufenen Eintrag vom Flughafen Zoll in unserem Pass und fragendem Blick. Alle Mitarbeiter hier sind aber sehr freundlich und wollen uns helfen. Wir werden in das zuständige Büro gebracht. Allerdings haben bald nicht nur wir einen fragenden Blick. Auch hier hat der Computer Schwierigkeiten, die Aufenthaltserlaubnis in seinem System zu verlängern.

Den Mitarbeitern ist allen klar, dass die Motorräder, genauso wie wir, 90 Tage in der Türkei bleiben können. Das Problem ist aber, dass die Motorräder nicht zusammen mit uns an einer Grenze angekommen sind, sondern als Fracht im Flughafen gelandet sind. So wie wir es verstehen, hat der unfreundliche Zollbeamte in Istanbul die Motorräder falsch deklariert und deswegen sind sie jetzt im System als Warenimport abgespeichert. Jetzt müssen es andere ausbaden! Unser Fall beschäftigt schließlich das komplette Büro Gebäude bis hin zum obersten Chef. Alle verstehen das Problem, nur der Computer nicht. Letztendlich erstellen sie uns ein Dokument mit eigens erstellter Referenznummer, welches besagt, dass die Motorräder so lange bleiben können wie wir. Das wird dann auch nochmal in unseren Pass getragen. Damit haben wir das System erfolgreich austrickst. Das komplette Büro freut sich über die Lösung. Sie entschuldigen sich zehn Mal, dass es so lange gedauert hat, aber sie mussten sich erstmal untereinander besprechen, denn sie haben hier noch nie so einen Fall gehabt, mit Leute die ihren fahrbaren Untersatz ins Land fliegen. Wir werden zum Tee eingeladen und müssen detailliert von unserer Reise erzählen, bevor wir gehen dürfen. Ich glaube ich habe noch nie so viele nette Zollmitarbeiter auf einem Haufen getroffen! Erleichtert und nun vollständig reisefertig geht es wieder auf die Straße. Jetzt steht unserer Türkei Reise nichts mehr im Wege.

022 an der Kueste nach SuedenWir fahren schön gemütlich an der Mittelmeerküste Richtung Südosten. In Pamukkale besichtigen wir die Ruinen von Hierapolis. Sie sind noch beeindruckender als die in Ephesus, denn die Stadt war noch um einiges größer. Einen ganzen Tag verlieren wir uns in der einst griechischen Ruinenstadt. Angrenzend befinden sich die schneeweißen Wasserfälle von Pamukkale. Diese sind über Jahrtausende durch kalkhaltige Thermalquellen entstanden. Heutzutage wird das Wasser allerdings für diverse Hotels abgeleitet, nur noch ein paar der Becken sind mit Wasser gefüllt. Trotzdem ist das Erlebnis einzigartig. Die schneebedeckten Berge im Hintergrund verleihen dem Ort eine besondere Note.

030 Pamukkale028 Pamukkale035 PamukkaleSchneebedeckte Berge begleiten uns auch auf unserem Weg von Pamukkale zurück an die Küste. Auf 1600 Metern zelten wir wild, was hier in der Türkei endlich wieder ohne Bedenken möglich ist. In der Nacht wird es ganz schön frisch, aber die Aussicht ins Tal auf der einen Seite und auf die noch höheren Gipfel auf der anderen Seite ist einmalig. Wir fahren nach Çıralı, einem kleinen Örtchen an der Küste. Hier gönnen wir uns eine kleine Pause. Das Meer auf der einen Seite und die Berge, die für Kletterer ein Paradies darstellen, auf der anderen Seite laden zum Entspannen ein. Eigentlich wollten wir eine Nacht bleiben. Eine Woche ist am Ende draus geworden! Wir fühlen uns hier so wohl, dass wir uns einen kleinen Bungalow mieten. Unterkünfte kosten in der Türkei so gut wie nichts, sodass man sich immer mal ein Zimmer leisten kann.

 

046 Mario und Matej047 Mario und MatejSpontan kündigen sich zwei Moped Freunde an: Mario und Matej aus Österreich. Die beiden sind auf dem Weg zum Mount Everest! Endlich haben die meisten Grenzen in Asien wieder geöffnet und sie konnten nach langer Wartezeit in Österreich starten. Mario hat vor zwei Jahren bereits, zusammen mit uns, den Reisepreis beim MRT (Motorrad Reisetreffen Gieboldehausen) gewonnen, konnte aber Pandemie bedingt nicht losfahren. Jetzt sind die beiden gerade in der Türkei und kommen auf ihrem Weg nach Osten bei uns in Çıralı vorbei. Auch sie fühlen sich direkt pudelwohl und checken für zwei Tage in den Bungalow neben uns ein. Am selben Tag kommt auch noch Consti mit dem Bus aus Ankara gefahren. Er hat die Nase voll von der Großstadt und nutzt die Gelegenheit uns am Meer zu besuchen. So sind wir eine lustige Truppe und haben zwei Tage voller Reisegespräche, Motorrad Workshops, Wanderungen, gutem Essen und Lagerfeuermomente mit Wein. Mario und Matej sind ganz begeistert von unseren kleinen Hondas. Mit ihren schweren KTMs haben sie ganz schön zu kämpfen, gerade abseits der Straßen. Mit ihren Zusatztanks und Gepäcksystemen sind die Kisten noch zusätzlich schwerer. Der Lenker stößt beim Wenden vorne an den Tank an! Man sollte doch meinen, bei einem extra von KTM entworfenen Tank sollte dieser auch zum Bike passen! Aber irgendwie gab es da scheinbar einen Denkfehler. Ich fahre Matejs Maschine Probe und bin anschließend froh, meine kleine Honda zu haben. Mit der KTM kann ich kaum in einem Zug auf der Straße wenden! Josh, Mario und Matej erklären den Parkplatz vor unseren Bungalows kurzerhand zur Werkstatt und beheben das Problem: An jeder Seite schneiden sie ein Stück vom Plastik des Tanks ab, sodass man den Lenker wieder vollständig einschlagen kann. Wer wagt, gewinnt…oder verliert…😄 Beim ersten Versuch schneiden sie zu viel ab! Jetzt hat der Tank ein Loch – ups! Da war die Plastik Verkleidung an einer Stelle dünner als erwartet. Aber Josh wäre nicht Josh, wenn er nicht gleich eine Idee für die Reparatur hätte. Kurzerhand werden zwei meiner Plastik Ohrstöpsel zerschnippelt, passend im Loch platziert und mit Kleber bestrichen. Die Masse härtet aus und bereits nach ein paar Stunden sieht man kaum noch etwas von dem kleinen „Unfall“. Auf jeden Fall hatten wir alle sehr viel Spaß bei dieser Aktion und die KTMs fahren jetzt viel besser um die Kurven!

053 gemeinsame WanderungUnsere gemeinsame Zeit lassen wir mit einem Besuch bei den brennenden Felsen von Chimera ausklingen. Hier brennen wirklich die Steine und das seit über 2000 Jahren! Gas strömt an einigen Stellen aus den Felsspalten und hat sich irgendwann einmal entzündet. Viele kleine Feuerchen lodern so auf dem Felsen und laden zum Verweilen ein. Nur der Gasgeruch erinnert daran, dass es sich nicht um ein Lagerfeuer aus Holz handelt. Hier wurde der Legende nach auch die Fackel der ersten Olympischen Spiele entzündet und bis nach Athen getragen. Von dem Felsen haben wir eine hervorragende Aussicht auf Çıralı und das dahinter liegende Meer. Wir sind wohlweislich spät am Nachmittag hierher aufgebrochen, um die Flammen auch noch nach Einbruch der Dunkelheit zu sehen. Die Stimmung mit den vielen kleinen Feuern um uns herum und den Lichtern, die vom Dorf hinauf leuchten, macht den Abend zu einem gebührenden Abschied für unser kleines Reisetreffen. Am nächsten Morgen brechen wir alle auf: Mario und Matej fahren weiter gen Osten Richtung Iran, Consti nimmt den Bus nach Ankara und auch wir fahren in Richtung Ankara gen Norden.

067 Flussdurchfahrt

Gemütlich über kleinste Straßen geht es in die Hauptstadt. Eigentlich wollten wir nicht noch einmal in dieses große Molloch der Türkei, aber es hat sich herausgestellt, dass wir unser Visum für den Iran in Ankara auf der iranischen Botschaft persönlich abholen müssen. Um den Weg dahin zu genießen, nehmen wir natürlich nicht die Autobahn, sondern lassen es langsam angehen. Wir genießen die Natur um uns herum, besonders die Fahrt durch die Wälder, über die Bergkuppen und zurück in die weiten, von Flüssen durchzogenen Ebenen. Hier haben die Gedanken freien Lauf. Wir besuchen das kleine Bergdorf Ormana und die nahe gelegene Höhle Altınbeşik, die mit Wasser geflutet ist.

071 Hoehle

Mit einem Schlauchboot können wir ins Innere der Höhle paddeln. Die verschiedenen Farben und Formen des Gesteins sind atemberaubend schön und beeindruckend. Die Felsen spiegeln sich im glasklaren Wasser. Lediglich einzelne, herabfallende Tropfen von der Höhlendecke durchbrechen die Ruhe. Die Mystik des Ortes lässt uns den Atem anhalten und die Ruhe in uns aufsaugen. In den Bergen zwischen Antalya und Konya verbringen wir ein paar wunderschöne Wildcamping Nächte zwischen schneebedeckten Bergen. Unser Zelt wird regelmäßig neugierig von Pferden, Kühen oder Schafen beäugt. Eines Morgens schiele ich noch halb verschlafen aus dem Zelteingang und staune nicht schlecht, als neben meinem Moped ein Esel steht. Auf ihm liegt ein Hirte, fängt dick zu grinsen an als er mich sieht, zieht aus seiner Packtasche einen kleinen Gaskocher und fragt: „Çay?“ (Tee) So sitzen wir zehn Minuten später zu dritt vor unserem Zelt und frühstücken. Er bietet uns Tee und Brot an, wir ihm Käse, Schinken und Oliven. Wir haben keine gemeinsame Sprache, aber verstehen uns doch von Anfang an gut. Bevor er mit seinen Schafen weiterzieht, müssen wir beide noch auf seinem Esel reiten und er zieht Joshs Motorrad Helm an und möchte ein Foto mit dem Motorrad. Anschließend geht er wieder seines Weges. Über den Käse und die Oliven, wir ihm mitgegeben haben, freut er sich besonders. Die schönsten Erlebnisse sind doch immer die kleinen, ungeplanten Begegnungen am Straßenrand!

084 der Hirte

 

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